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Artikel aus „Wir Berlinerinnen“
LandesFrauenRat Berlin e.V.
06/07 Berlin Seite 9
Wider den Zeitgeist
oder: Wie eine Frauenorganisation
an die Bewegung(en) anknüpft
„…Sie hätten vor 30 Jahren kommen müssen, das ist ja ein Thema von vorgestern“… – so oder ähnlich sind oft die Reaktionen, wenn wir über unseren Förderverein Frauenwelt – Ein Dokumentationszentrum der Hälfte der Menschheit e.V. reden. Angeblich ist die Gleichberechtigung vollzogen und alle sind zufrieden! Alle? – Nein, in einem kleinen Verein regt sich unbeugsamer Widerstand gegen die verordnete Geschichtslosigkeit. Wir wollen einen Ort in Berlins Zentrum schaffen, an dem Menschen in wechselnden Ausstellungen weibliche Sichten auf die Geschichte erleben können. Wir gehen nämlich davon aus, dass es nicht nur eine, von Männern gemachte und berichtete Geschichte gibt, sondern dass es auch ganz unterschiedliche, aber auf weiten Passagen vergessene Frauengeschichten gab und hoffentlich bald wieder gibt. Daran arbeiten wir. Unser nächstes Projekt ist die Entwicklung der Ausstellung „Wohl und Wehe der Ehe“ im Rahmen der Wiedereröffnung des sanierten Schlosses Schönhausen in Pankow im Jahr 2009. Dort ist nach Vorstellung der Stiftung preußische Schlösser und Gärten im Inneren ein Schlossmuseum geplant. Wir freuen uns über die Wiederherstellung des maroden Gebäudes, denken aber, dass die vielen Millionen Euro Steuergeld zu eindimensional verwendet werden, wenn sie nur Antiquitäten liebende Rokokofreunde ergötzen. Deshalb möchten wir in diesem ehemaligen Sommerschloss der Königin Elisabeth Christine, die hier 40 Jahre lang als ungeliebte Gattin von Friedrich dem Grossen ausharrte, Kulturgeschichte(n) aus dieser und anderen weiblichen Perspektiven vorstellen, die sich mit dem Thema Ehe und all ihren Facetten befassen.
Wir sind ein gemeinnütziger Verein von Frauen unterschiedlichen Alters, aus Ost und West, mit und ohne Kindern sowie unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Wir verwalten treuhänderisch die Donnation-Frauenstiftung zu Berlin. Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Ausstellung freuen wir uns sehr, wenn BerlinerInnen uns mit Geschichtswissen, Objekten, Kontakten, ehrenamtlicher Hilfe oder Geld unterstützen. Jede Anregung und Hilfe ist willkommen. Zuwendungen an den Verein und die Stiftung sind übrigens steuerlich absetzbar.
Dr. Carolin Krings-Lazovsky
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* Venus von Willendorf
Frauenskulptur, die 1911 im Österreichischen
Willendorf gefunden wurde, ca. 40.000 Jahre alt ist
und als Abbild einer altsteinzeitlichen
Fruchtbarkeitsgöttin interpretiert wird

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